Donnerstag, 30. Dezember 2010

Gedankenbrei

Genau das denke ich mir in letzter Zeit ständig, wenn ich wieder anfange, unterirdische und niveaulose Witze zu erzählen. Aber abzuwiegen, ob ein Witz gut oder schlecht ist, bevor man ihn erzählt, ist nicht ganz einfach und reißt Löcher in Unterhaltungen. Ich glaube, da würde ich mir sogar lieber den schlechten Witz anhören. Oder wie meine Tante zu sagen pflegt: Geht ein Mann aus der Apotheke und tritt auf einen Keks.

S. hat einmal gesagt "Wieso denn? Du bist doch okay so, wie du bist."
Oberflächlich betrachtet hat dieser Satz nicht viel Bedeutung, weil man ihn zu oft hört. Bald darauf habe ich den Satz noch einmal von Frau W. gehört, die ihn auch erklärt hat.
Ich habe mich über all die Jahre an "Sprich nicht so hoch, sag doch einfach, entschuldige dich nicht, sei selbstbewusster, geh zum Psychologen.." gewöhnt.
Das ist auch in Ordnung, ich habe wirklich einige Macken, die sich nicht ganz einfach übergehen lassen. Aber ich habe den Gedanken, dass ich mich ändern muss so fest in meinem Hinterkopf verankert, dass ich das bei jedem Gespräch und in jeder Stillen Sekunde gefühlt habe. Und irgendwann hat die Stimme in meinem Kopf nur noch "Du wirst etwas falsches sagen. Du bist falsch. Du musst dich ändern." gesagt. Ich bin so nervös vor jedem einzelnen Satz den ich sage, weil ich nicht weiß, was ich sagen muss, um mich zu ändern, dass ich meistens absolut unnützes Gewirr und Gestottere von mir gebe.
Jeder einzelne meiner Fehler brennt sich ein und graviert "Falsch" mit immer deutlicher sichtbaren Buchstaben in mein Selbstbild.

Ich finde, genau das ist "falsch". Letzt endlich wäre jede Änderung an mir selbst auch bloß eine Anpassung an das Menschenbild. Je angepasster man an dieses Bild ist, desto leichter hat man es in der Gesellschaft. Auf der anderen Seite ist es aber so, dass man sich nicht verstellen darf, weil man auch dann nicht akzeptiert wird. Das habe ich lange genug versucht.
Durch Anpassung geht außerdem wirklich viel von dem letzten bisschen Freiheit verloren, was uns noch bleibt.
Ehe ich mich ändern kann muss ich also zuerst mich selbst akzeptieren, damit ich mich nicht für die Gesellschaft sondern für mich selbst ändere. Damit ich so werde wie ich sein will und nicht so, wie man mich gerne hätte.

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